Warum Sie niemals die Wahrheit in Danksagungen sagen sollten

Wahrheit in DanksagungenFür Danksagungen gilt ganz allgemein, dass man höflich und nett zu sein hat und immer den richtigen Ton treffen sollte. Gut und schön. Aber stellen Sie sich nur mal vor, Sie müssen eine Danksagung schreiben, zu der Sie gar keine Lust haben? Oder in der Sie aus purer Höflichkeit Dinge niederschreiben müssen, die Sie niemals so meinen können? Es gibt sicherlich jede Menge Beispiele dafür. So könnte sich die Verwandtschaft geradezu aufgefordert fühlen, schon bald nach dem Familienfest wieder zu Besuch zu kommen, nur weil man in der Danksagung schreiben muss, dass man auf ein baldiges Wiedersehen hofft.

Ein weiteres ideales Beispiel: Sie haben Ihren Job gekündigt, um eine neue Stelle in einem anderen Betrieb anzutreten. Ihre Kolleginnen und Kollegen haben für Sie einen tollen Abschiedsabend organisiert, Sie waren gemeinsam beim Bowling und Ihr Chef, mit dem Sie ein angespanntes Verhältnis haben, hat es sich nicht nehmen lassen, Sie und die Belegschaft zu begleiten. Und womöglich auch noch ein paar zu warme und zu herzliche Worte an Sie zu richten – dafür, dass Sie sich eigentlich sonst nichts oder zumindest nicht viel zu sagen hatten.

Jedenfalls nehmen Sie Ihr Ausscheiden aus der Firma und den letzten Abend zum Anlass, um eine Danksagung aufzusetzen, die Sie an die Kolleginnen und Kollegen richten möchten. Dafür eignet sich eine nette Karte, die Sie entweder selbst gestalten oder in einer Online-Druckerei designen lassen. Die Karte (oder wahlweise den Brief) können Sie dann ein Weilchen nach Ihrem letzten Arbeitstag per Post an Ihre alte Abteilung senden. Und weil Sie ein anständiger Mensch sind, möchten Sie kein komplett zerrüttetes Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Ex-Chef hinterlassen. Also entscheiden Sie sich, den Ex-Chef in Ihrer Danksagung ebenfalls zu erwähnen.

Die Wahrheit? Wäre hier fehl am Platze

Nun müssten Sie in der Danksagung ein wahres Kunststück vollbringen, wenn Sie einerseits den netten Kollegen für all die tollen Jahre und den gelungenen Abschied danken möchten und gleichzeitig dem Ex-Chef eins auswischen wollen. Das passt schon stilistisch nicht zusammen. In den Hauptsätzen müssten Sie schreiben, wie dankbar Sie den Kollegen sind und wie sehr Sie die vergangenen Jahre in dem Unternehmen bzw. in der Abteilung genossen haben. Und in den Nebensätzen müssten Sie ja dann schreiben, dass Sie dem Vorgesetzten nicht danken und die Jahre mit ihm nicht genossen haben.

Darum ist es hier vielleicht die ideale Lösung, auf die Nennung des Vorgesetzten innerhalb der Danksagung an den meisten Stellen zu verzichten. In der Anrede und die Schlussformulierung ist es unabdingbar, dass Sie ihn (oder auch sie, wenn es eine Ex-Chefin ist) erwähnen. Aber Sie müssen ja nicht unbedingt im Fließtext darauf eingehen, dass Sie sich übermäßig gefreut haben, dass auch der Ex-Chef teilgenommen hat. Lassen Sie ihn ganz einfach so gut es geht aus dem Spiel. Und natürlich sollten Sie auch mit der ungeschminkten Wahrheit hinterm Berg halten – denn diese Wahrheit würde bedeuten, dass Sie den Chef in der Danksagung bloßstellen, indem Sie Ihr schlechtes Verhältnis zueinander öffentlich machen.

Hier einige der Grundregeln für einen solchen Fall im Überblick:

  • Bleiben Sie in Ihrer Danksagung rundweg positiv, ohne zu lügen. Das geht jedoch nur, wenn Sie auf die Nennung von Personen verzichten, mit denen Sie negative Dinge verbinden.
  • Sie erreichen das, indem Sie die Wahrheit einfach weglassen. Warum sollten Sie nachtreten, warum sollten die Kollegen nach Ihrem Ausscheiden noch erfahren, wie belastet das Verhältnis war?
  • Begehen Sie dabei aber nicht den Fehler, das Verhältnis, das zwischen Ihnen und Ihrem Chef geherrscht hat, durch Stilmittel wie Ironie oder Zynismus über die Maßen positiv darzustellen. Das ist unprofessionell.

Tun Sie Ihrem Ex-Chef keinen dieser Gefallen. Sie haben immer noch die Möglichkeit, dem Ex-Chef irgendwann ein nur an ihn adressiertes Schreiben zu richten, in dem Sie bedauern, wie das Verhältnis gewesen ist. Verzichten Sie dabei allerdings, so gut es geht, auf Vorwürfe.

 

Warum Sie niemals die Wahrheit in Danksagungen sagen sollten

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Chef,

jetzt ist die Zeit des Abschieds gekommen, und zu diesem Anlass wurde mir ein toller Abschied aus unserer Abteilung bereitet. Ich möchte allen danken, die diesen schönen Abend organisiert und daran teilgenommen haben. Und ebenso möchte ich allen danken, denen ich wunderbare Jahre in unserem Unternehmen zu verdanken habe. Es hat mir immer eine Menge Freude gebracht, mich im Sinne des Teams einbringen zu dürfen.

Ein Abschied ist ja auch immer ein Neuanfang, doch so etwas sagt sich immer leichter, als es vermutlich zu bewerkstelligen ist. Also möchte ich in dieser Danksagung den Blick noch einmal zurück richten und der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass ich auch im neuen Job ein so nettes und funktionierendes Team vorfinden werde. Selbstverständlich ist das nämlich nicht, was mir auch der Bowlingabend wieder einmal gezeigt hat.

Doch soll es in diesem Dankesschreiben nicht nur um mich gehen. Ich würde es nämlich furchtbar gern sehen, wenn diese Abteilung weiterhin so erfolgreich bleiben würde. Und ich würde es ebenfalls furchtbar gern sehen, wenn ich mit der einen oder dem anderen aus der Gruppe den Kontakt nicht verlieren muss. Vor allem aber wünsche ich euch weiterhin einen guten Zusammenhalt, der besonders dann wichtig wird, wenn auch mal schlechtere Zeiten kommen, was ich natürlich nicht hoffe.

Euer und Ihr [Name]