Danksagung von Drittländern für die systematische Ausbeutung seitens der Industrieländer

Danksagung von DrittländernSeitdem wir die Welt in Kategorien unterteilen, also „Erste Welt“, „Dritte Welt“ und „Schwellenländer“, haben die reichen Industrienationen alles dafür getan, die ärmeren Länder nicht zu Reichtum kommen zu lassen. Im Gegenteil, die Länder bzw. die Menschen, die diese Länder bewohnen, und die dort vorkommenden Bodenschätze wurden in all der Zeit systematisch ausgebeutet. Wenn man es genau nimmt, geht diese Ausbeutung sogar noch viel weiter zurück. Schon zu den Zeiten, in denen die europäischen Länder große Seefahrernationen waren, haben sie die Regionen auf den anderen Kontinenten ausgebeutet. Das begann zu Zeiten des Handels mit Gewürzen aus dem Osten und hatte seine Fortsetzung in der Unterdrückung und Ausrottung der indigenen Völker in Süd- wie in Nordamerika.

So richtig nahm die Ausbeutung dann allerdings Fahrt auf mit der Industrialisierung. Man denke dabei nur an die Versklavung ganzer Völker aus Afrika, die in den nordamerikanischen Raum verfrachtet wurden. Sie mussten auf Plantagen und in Fabriken arbeiten, in Jobs, die die weißen Einwanderer aus Europa nicht machen wollten. Während dieser Zeit haben die europäischen Nationen den USA in Sachen Ausbeutung aber in nichts nachgestanden und die Kolonialisierung immer weiter vorangetrieben.  Betroffen waren in erster Linie, aber nicht nur die Länder und Regionen in allen Ecken Afrikas.

Die Ausbeutung gibt es schon seit vielen Jahrhunderten

Betroffen sind auch heute noch Regionen über die ganze Welt verteilt, die dem Geld des Westens nichts entgegensetzen können. (Mit „Westen“ ist Europa gemeint, dazu kommen aber noch mindestens die USA, Japan, Südkorea und China.) Ausgebeutet werden nach wie vor die Menschen, man denke zum Beispiel nur einmal an die Minenarbeiter in Afrika, die nach Diamanten graben. Oder an die Minenarbeiter in Südamerika. Ausbeutung findet aber auch dort statt, wo die Menschen gar nicht mal direkt für die Ausbeuter arbeiten.

Internationale Konzerne treiben es inzwischen so weit, dass sie in trockenen Regionen die wenigen Brunnen aufkaufen, die die Lebensgrundlage für die Menschen bilden. Die Menschen dürfen das Wasser nur noch gegen Geld nutzen. Das ist Ausbeutung par excellence. Es ist die neueste Spielart, dass die reichen Nationen den armen nun im wahrsten Sinn des Wortes das Wasser abgraben, während es bis vor einigen Jahren noch das Öl gewesen ist, um das Kriege geführt worden sind. Tempi passati. Und so könnten die Länder, die sich von den reichen Nationen ausbeuten lassen, doch ganz einfach auf die Idee kommen, eine Danksagung an ihre Ausbeuter zu richten, oder nicht? Man kann sich etwa vorstellen, dass sich hier einige Staaten zusammenschließen und ihre Danksagung etwa auf einer Klimakonferenz, einem Ernährungsgipfel oder einem regulären Treffen der Vereinten Nationen in New York vorzutragen. Allerdings ist auch das ein Stück weit utopisch, weil viele dieser Länder es sich mit den reichen nicht verscherzen wollen. Allerdings ist die Idee mal etwas Neues.

Danksagung von Drittländern für die systematische Ausbeutung seitens der Industrieländer

Liebe sogenannte Erste Welt,

es ist an der Zeit, dir danke zu sagen. Danke dafür, dass du es seit vielen Generationen – nein, seit vielen Jahrhunderten sogar – mit deinem Gewissen vereinbaren kannst, die restliche Welt nach Strich und Faden und mit System auszubeuten. Die Länder, die bei dieser Ausbeutung mitmachen, sind immer schon die gleichen gewesen. Jedenfalls wenn man davon absieht, dass natürlich auch noch immer neue dazugekommen sind.

Angefangen mit der Ausbeutung hast du, liebe erste Welt, schon vor vielen hundert Jahren, als du damit begonnen hast, deine Seefahrer über die Weltmeere zu schicken, um zu entdecken, aber vor allem, um Handel zu treiben. In den ersten Jahrhunderten waren es die Gewürze aus dem mittelasiatischen Raum, für  die du unterjocht und gemordet und ganze Völker unterworfen hast. Dann hast du Amerika noch einmal entdeckt, Kolumbus hieß er, woraufhin du auch wieder ganze Völker unterworfen und getötet hast, um an das Gold heranzukommen. Über den gesamten amerikanischen Kontinent hast du dich ausgebreitet, hast Lebensgrundlagen zerstört und ganze indigene Völker ausgerottet. Und mit Ausbeutung hat es überall begonnen.

Als du dann merktest, dass du gar niemanden mehr hattest, um ihn in Amerika zum Sklaven zu machen, da bist du erneut nach Afrika gefahren, um dir Sklaven zu besorgen. Währenddessen haben sich die Europäer unter euch die Welt aufgeteilt, indem sie Kolonien gegründet und Kriege darum geführt haben. Das verdient natürlich auch einen besonderen Dank. Heute lässt du, liebe erste Welt, die Ärmsten der Armen nach Diamanten graben in Afrika und nach Bodenschätzen in vielen anderen Regionen der Welt.

Und, liebe Industrieländer, inzwischen habt ihr ja fast den kompletten Vorrat an Öl aufgebraucht, um den ihr schon so viele Kriege geführt habt, besonders im Nahen Osten. Deswegen beutet ihr uns jetzt aus, indem ihr Brunnen kauft in Regionen, in denen es so gut wie kein Wasser gibt. Und dieses Wasser verkauft ihr uns dann, wenn wir Glück haben und es bezahlen können. Wenn wir kein Geld haben, können wir ja auf euren Plantagen arbeiten und euren Kaffee pflücken und euer Obst ernten, das ihr dann verzehrt. Dafür gebt ihr uns einen Gnadenlohn, damit wir uns das Wasser leisten können, das uns selbst eigentlich gehört. Und natürlich auch vielen Dank, dass ihr den Regenwald jeden Tag um viele Quadratkilometer abholzt, nur damit eure Fastfood-Restaurants jeden Tag genügend Fleisch verkaufen können.

Danke für das alles und vieles mehr.

Deine Entwicklungsländer